Robben Island
Am heutigen Tag steht ein Stück afrikanische Geschichte auf dem Programm. Wir haben gestern bereits eine Tour nach Robben Island gebucht.
Robben Island ist die Gefängnisinsel zwölf Kilometer vor der Küste von Kapstadt, von der Waterfront aus bei klarer Sicht gut zu sehen. Sie ist das Pendant zu Alcatraz. Nicht ganz so bekannt, aber ebenso berüchtigt.
Wir frühstücken auf unserem Zimmer. Direkt neben dem Hotel ist eine französische Patiserie, wo es leckere Croissants und einen guten Chai Latte gibt.
Unsere Bootstour geht um 13 Uhr los, aber wir müssen uns schon um 12:15 Uhr am Bootsanleger einfinden. Wir brechen aber schon um 11 Uhr auf und statten der Waterfront einen weiteren Besuch ab. Dort angekommen nutzen wir den wolkenlosen Himmel und können ein paar Aufnahmen vom Tafelberg völlig ohne Wolken machen. Ein tatsächlich eher seltenes Vergnügen.
Bevor es losgeht zum Boot genehmigen wir uns zu Mittag noch etwas in den Markthallen. Hier gibt es eine leckere und vielfältige Auswahl an Speisen aus aller Herrenländer. Pünktlich begeben wir uns anschließend zu unserem Boot nach Robben Island. Die Überfahrt dauert etwa 25 Minuten.
Dort angekommen werden wir streng organisiert in Busse verfrachtet und über die Insel gefahren. Unsere Führerin erzählt uns die Historie der Insel. Sie ist ein Sinnbild für die Unterdrückung der Schwarzen und besonders seit den 1960er-Jehren ein Mittel des Apartheid-Regimes um politische Widersacher wegzusperren.
Besonderes Zeugnis dieses Vorgehens ist der Bereich, in dem der Widerstandskämpfer Robert Sobukwe über viele Jahre in Einzelhaft untergebracht war, ohne jeglichen Kontakt zu anderen Leuten. Nach seiner Entlassung durfte er zwar wieder zu seiner Familie, musste aber den Rest seines Lebens im Hausarrest verbringen und seine geistige und körperliche Gesundheit waren stark angegriffen.
Dann erzählt uns unsere Führerin die Geschichte ihrer eigenen Familie, imsbesondere ihres Großvaters, der viele Jahre in Gefangenschaft verbracht hatte und den sie daher nie kennenlernen durfte. Als Vorwand für die Verhaftungen diente, wie bei vielen tausend anderen, das sogenannte Reference Book. Diese Dokument war eine Art Personalausweis, welches aber nur vom schwarzen Teil der Bevölkerung benötigt wurde. Es musste immer bei sich geführt werden, Ortswechsel mussten eingetragen werden und die Gültgkeit regelmäßig verlängert. Kleinste Verstöße wurden mit sechs Monaten Haft bestraft. Und das Perfide daran war, dass während der Haft oft die Gültigkeit endete und die Betroffenen nach Freilassung sofort wieder eingesperrt wurden. Eine Verlängerung war nur am Heimatwohnort möglich und häufig fehlte alleine das Geld um dorthin zu gelangen. Das Reference Book war also nichts anderes als ein Mittel zur Unterdrückung und Diskriminierung.
Wir kommen auch am Steinbruch vorbei, in dem die Gefangenen Strafarbeit verrichten mussten. Bei jedem Weter, acht Stunden am Tag mit nur 15 Minuten Pause. Bereits am frühen Nachmittag ging es zurück in die Zellen, die dann bis zum nächsten Morgen abgeschlossen wurden.
Nach der Rundfahrt dürfen wir den ehemaligen Hochsicherheitstrakt für die politischen Gefangenen besuchen. Diesen Teil der Führung übernehmen auf Robben Island ehemalige Gefangene, so auch bei uns.
In einer der Gemeinschaftzellen dürfen wir Platz nehmen. Hier waren früher bis zu 70 Gefangene gemeinsam untergebracht. Sie wurden in drei Kategorien unterschieden, von A (für Weiße) bis D (für Schwarze). Die gesamte Behandlung erfolgte entsprechend der Kategorisierung. Es ist vermutlich überflüssig zu erwähnen, das die Kategorie D die schlechteste Behandlung nach sich zog. Bis in die siebziger Jahre hinein, mussten die Gefangenen auf dünnen Matten direkt auf dem Betonboden schlafen. In Isolationshaft gab es nicht einmal Matten. Auch Nelson Mandela hat 18 Jahre seines Lebens in einer vier Quadratmeter großen Zelle auf dem Boden geschlafen.
Wir verstehen nicht alles, was unser Führer erzählt, aber die Geschichten sind unglaublich intensiv und man merkt alleine an Mimik und Gestik, wie sehr ihn diese Zeit auch heute noch beschäftigt und wie gezeichnet er durch das Leid ist, welches ihm widerfahren ist. Eindrucksvoll hallen seine Worte nach: "Ich kann vergeben, was passiert ist, aber ich kann nicht vergessen! Vergessen werde ich erst, wenn ich sterbe."
Mit diesen Eindrücken, die natürlich ein wichtiger Teil der südafrikanischen Geschichte sind, kehren wir zurück zu unserem Boot und werden wieder ans Festland gebracht.
Abends gehen wir dann noch beim Griechen direkt im Apartment-Gebäude essen und das ist wieder sehr lecker.