Hungrig wie ein Löwe
Auf der gegenüberliegenden Seite des Crocodile Rivers lassen sich heute morgen ganze Herden von Impalas blicken. Hinzu gesellen sich zwei Gruppen von Gnus. Leider wieder keine Elefanten. Davon hatten wir aber gestern schon viele gesehen.
Wir brechen zeitig auf, denn nach zwei schönen Tagen im Elephant Walk Retreat geht es weiter. Nächster Stopp ist das Nkuwa Wilderness Camp direkt im Selati Reserve.
Die Fahrt dorthin dauert ca. viereinhalb Stunden, ist aber wieder erwarten sehr interessant. Während wir bei der Anfahrt aus Johannesburg oft viele Kilometer nahezu keine Ortschaften hatten, sind auf der Fahrt von Nelspruit aus nordwärts die Straßen von Siedlungen gesäumt. - Nelspruit wurde übrigens vor ein paar Jahren von der Regierung in Mpombela umbenannt, aber das interessiert hier niemanden. - Tausende von Menschen laufen die Straßen entlang und ab und an auch Kühe. Wohlgemerkt reden wir über Straßen, auf denen zum Teil Tempo 120 gefahren wird. Auffällig ist die hohe Zahl an Kindern und Jugendlichen. Bestimmt zwei Drittel der Menge ist im Schulalter und läuft häufig in Schuluniform herum. Tatsächlich besuchen aber nur kanpp 60 Prozent der Kinder in Südafrika einen Schule.
Kurz vor 12 Uhr machen wir an einer Mall kurz Rast und essen in einer ansässigen Fastfood-Kette einen kleinen Snack. Und das Fastfood hier ist richtig lecker. Sowas müsste es bei uns auch geben. Interessant ist auch durchaus die Erfahrung, wenn man weit und breit der einzige nicht-schwarze Mensch ist. In der ganzen Region hier leben ausschließlich Schwarze.
Nach der Mittagspause haben wir noch anderthalb Stunden Fahrt vor uns. Dann erreichen wir unser Tor zum Selati Game Reserve. Lloyd holt uns am Eingang ab. Er und Kyla (die wir später kennenlernen) leiten die Lodge und sind auch unsere Guides für die nächsten Tage. Wir fahren mit unserem Auto ein Stück hinter ihm her und müssen dann umladen. Der Rest des Weges ist nur noch mit wirklich geländegängigen Fahrzeugen zu bewältigen. Das ist mal komplett anders, als auf den ausgebauten Straßen im Kruger. Das hier ist wirklich Safari. Gleich auf der Fahrt zur Lodge begrüßen uns wieder Giraffen im Unterholz.
An der Lodge angekommen werden wir herzlichst begrüßt, inklusive heißer Handtücher zum frisch machen und kühler Getränke. Wir sind die einzigen Gäste und belegen zwei der vier Zelte. Hier ist alles offen. Kein einziger Zaun umgibt das Gelände. Ein sehr exklusives Erlebnis.
Um 15:30 Uhr brechen wir zu unserem ersten Game Drive auf. Wir fahren kilometerlang über Kies- und Sandwege. Die Vegetation ist hier viel dichter als im Kruger Nationalpark. Dementsprechend müssen wir auch viel mehr suchen, um Tiere zu entdecken, aber wenn man genau hinschaut, sieht man sie doch. Und Lloyd kennt jede Spur und jedes Geräusch. Wir sehen Giraffen, Elefanten, Mongus und natürlich, wie sollte es anders sein, Impalas. Ganz zu schweigen von den zahlreichen verschiedenen Vögeln, die es in Südafrika gibt und deren Namen wir uns nur ansatzweise merken können.
Dann bekommen Kyla und Lloyd eine Meldung, dass ein paar Volunteers im Park per Drohne ein Löwenpaar gesehen haben. Wir machen uns also auf sie Suche.
Plötzlich biegt Lloyd mit unserem Geländewagen mitten ins Gebüsch ab. Nach einigen Metern langsamer Fahrt erspähen wir erst ein Löwenmännchen und dann ein Zweites. Beide liegen zuerst faul herum und wir warten minutenlang. Irgendwann wandert einer der beiden Löwen ein paar Meter weiter und wir folgen ganz vorsichtig (im Auto). Und dann sehen wir den Grund der Faulheit. Die beiden Löwen haben zusammen eine Giraffe erlegt, die im Dickicht liegt. Während der eine Löwe weiter schläft frisst der andere weiter. Man kann die Knochen krachen hören. Ein einmaliges Schauspiel.
Mittlerweile ist es dunkel geworden. Wir machen uns auf den Rückweg. Mit der Taschenlampe leuchtet Lloyd aus unserer Sicht wild nach links und rechts. Aber auf magische Weise findet er immer wieder Tiere im Gebüsch.
Und zu guter Letzt kreuzen tatsächlich noch eine Nashorn-Mama mit Jungtier unseren Weg. Für ein gutes Foto ist es leider schon zu dunkel und sie verschwinden auch gleich wieder im Gebüsch. Deshalb bekomme ich nur noch das Hinterteil abgelichtet. 😁
Am Camp angekommen, ist mittlerweile unser Abendessen hergerichtet. Eintopf mit Hähnchen-Schenkel und Reis. Und wieder sehr lecker.
Obwohl es noch gar nicht so spät ist, bleiben wir nur noch kurz auf der Veranda und ziehen uns dann in die Zelte zurück.Wir sind wirklich müde.
Neugierig auf den nächsten Tag schlafen wir ein.